FREESTYLE
Verfasst von: Giacomo Milani
Jeder leidenschaftliche Windsurfer wird von Malcesine und seinen Spots begeistert sein. Malcesine ist vielleicht weniger bekannt als Torbole, hat dafür aber wesentlich abwechslungsreichere Bedingungen. Die Ora, ein konstanter und weniger starker Südwind der am Nachmittag aufkommt, bietet ideale Bedingungen für Ein- und Aufsteiger. Der morgendliche heftige Nordwind, Pelér, entwickelt seine volle Stärke direkt vor Malcesine.
Ein typischer Surftag im Sommer beginnt bei Sonnenaufgang, wenn der Pelér durch die einfallenden Sonnenstrahlen an Intensität zunimmt. Der ideale Spot befindet sich am Parkplatz von Retelino, 1km nördlich von Malcesine. Hier gibt es genug Platz zum Parken und eine grosse Wiese, wo man bequem aufriggen kann. Normalerweise hält der Pelér ca. 4 Stunden, mit 20 bis 25 Knoten (5-6 Bft). In der Regel werden Freestyle und Freestyle/Wave Bretter mit 90 bis 110l Volumen und Segel zwischen 4,5 und 5,5 m_ gefahren.
Nach Sommergewittern kann der Nordwind stark auffrischen und 35 bis 40 Knoten erreichen. Dann lohnt es sich weiter in den Süden zu fahren, genauer: nach Assenza. An dem Spot direkt vor der Trimelone Insel bildet sich durch den starken Wind eine stattliche Welle die zum Springen und Tricksen einlädt.
Wer etwas gemäßigtere Bedingungen vorzieht oder an seiner Technik feilen möchte, für den ist der Nachmittag der ideale Moment. An klaren Tagen im Frühling und im Sommer erreicht die Ora in Navene 10 bis 20 Knoten und ist gut surfbar. Dann fährt man Freeride-Material, Boards um die 120 Liter und Segel von 7m_ und mehr.
Es gibt mehrere Surfschulen mit ausgebildeten Instruktoren, die Schulung für alle Könnenstufen anbieten, gleichermaßen für Anfänger bis Fortgeschrittene.
Wer noch nicht aktiv surft, aber gerne den Surfen bei ihren Manövern zuschaut, der darf beim Shaka Bump and Jump Contest nicht fehlen.
Dieser etwas andere Wettbewerb findet auf dem See zwischen Malcesine und Torbole statt… ein großes Motorboot mit Fotografen, Zuschauern und einer Jury an Bord fährt auf dem See hin und her. Auf der dabei entstehenden Welle versuchen ca. 40 Athleten die spektakulärsten Manöver zu zeigen: Forwardloop, Backloop, Ponch, Shaka und Air Flaka sind nur einige der Manöver die die Teilnehmer bei jeder Durchfahrt des Motorboots zeigen.
Was gibt es noch mehr zu sagen? Viel Spass!!
SPEED
Verfasst von: John Benamati
Speedsurfen erregt enorme Neugier in der Welt des Segelsports. Einerseits, weil es gewisse Gefahren in sich birgt und andererseits weil die Rekordjagt immer neue Grenzen sprengt und man um das Geheimnis der Praxis wissen möchte. Tätsächlich ist das Speedsurfen weniger ein Manöversurfen frei nach Fantasie oder ein einfaches Dahingleiten. Vielmehr ist es das Resultat körperlicher und geistiger Konzentration um die Energie des Windes in höchstmögliche Geschwindigkeit umzusetzen. Gerade diese Eigenart lässt die Speedsurfer etwas abgedreht erscheinen, was diesen Athleten das Gefühl gibt, einem “exklusiven” Club anzugehören, in dem es weniger Neid oder Rivalität gibt, sondern eher Achtung und Freundschaft.
Diese Disziplin beschert den Surfern, vor allem in extremen Bedingungen, starke Emotionen. Das Material ist in Form, Grösse und Funktion so radikalisiert, dass die Segel den optimalen Vortrieb leisten und Brett und Finne einen minimalen Wasserwiderstand erzeugen. Durch Übertakelung und eine Unterdimensionierung von Brett und Finne wird dies umgesetzt. Die einzige Grenze ist nunmehr die Fähigheit des Athleten, dies zu kontrollieren.
Allgemein glaubt man, dass Speed-Wettkämpfe nur im Kanal im französischem Saint Maries de la Mar stattfinden. In Wirklichkeit werden die Worldcups im offenen Meer ausgetragen, selbstverständlich in Flachwasserbedingungen (z.b. bei ablandigem Wind) Laut Regelwerk dürfen die Wettkämpfe nur an Spots ausgetragen werden, bei denen man auch zu seinem Startpunkt zurücksurfen kann, in kürzester Zeit natürlich. Der Parcour ist mit Fahnen und Bojen gekennzeichnet. Die Streckenlänge variiert zwischen 25 m, 500 m und einer nautischen Meile, also 1852 m.
Streng genommen bietet der Lago vielleicht nicht die Bedingungen, um Speedrekorde zu fahren. Er gehört aber durchaus zu den besten Revieren, um sich auf professionelle Wettkämpfe vorzu bereiten, oder einfach Spass mit Freunden zu haben. (Für mich gilt jedenfalls beides).
In den letzten Jahren wurde es durch die Nutzung von GPS-Geräten möglich, eine genaue und direkte Aufzeichnung gefahrener Geschwindigkeiten durchzufuehren.Die gefuehlte Geschwindigkeit lässt sich nun objektivieren um z.b. Trainingssessions zu vergleichen.
Wer einmal morgens bei Nordwind in Ueberpower-Bedingungen surfen geht und sich im Grenzbereich der Materialkontrolle befindet, taucht in einen fast mystischen Konzentrationzustand ein. Einmal in diesem Zustand, entsteht eine perfekte Synergie zwischen Körper und Geist.
Auf der Suche nach dem besten Kurs zum Wind kann man vor Malcesine extrem viel Spass haben oder auch effektiv trainieren.
Die kleinen Windwellen (“Chop”), die ihr in diesen Wassern findet, machen eure Sessions zu recht anstrengenden und anspruchvollen Ausfluegen.
Ihr benutzt natürlich Slalommaterial mit Cambersegeln (selten unter 5,8 m2) und Boards zwischen 90 und 120 Litern.
Noch etwas zu den Finnen: je nach Windstärke sollten sie zwischen 30 und 42 cm lang sein, damit ihr auch auf Anwindkurs genug Vortrieb bekommt.
(…und nicht wie die Kiter einige Kilometer weiter in Lee an den Strand gehen müsst…)
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